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"Juanito - Der Inselbote" - die Premiere

von Uwe (30.05.2002)





Cover "Der Inselbote".

Vorgestern lag die Premiere eines neuen Inselmagazins in meinem Briefkasten - "Juanito - Der Inselbote" ist an den Start gegangen, Untertitel "Das individuelle Magazin für Formentera-Freunde". Auf den ersten Blick wirkt es drucktechnisch hochwertig: vierfarbig, sauberer Druck. Dass das Genitiv-s bei "Formenteras" schon auf dem Cover falsch geschrieben wird soll an dieser Stelle nicht weiter stören. Ausgabe 01/2002, 36 vierfarbige Seiten, 2,90 Euro, erscheinen soll das Heft von nun an alle zwei Wochen.

Birgit Fechner und Peter Diehl.
Im Editorial auf Seite 3 stellen sie sich vor, leider ohne dabei ihre kompletten Namen zu nennen (nur die Kürzel pd und fe werden erwähnt): Herausgeberin und Chefredakteurin Birgit Fechner, die sich ja auch im Forum der fonda.de schon öfter zu Wort gemeldet hat, und der stellvertretende Chefredakteur, Peter Diehl. Was mich gleich zum Impressum führt. Gestaltung, Satz und Produktion werden von einem Düsseldorfer Verlag abgewickelt. Technische Probleme, wie sie von Achim Gliem, dem Macher der Neuauflage der Formentera-Zeitung, die sich wegen Dissonanzen mit dem früheren Herausgeber, Lothar Groß, nicht mehr so nennen durfte, dann Formentera-Magazin [den Link zu formenteragazin.de habe ich entfernt, weil die Website seit dem 31. Mai down ist] hieß und sich nun einem Ibiza-Magazin anschließt, werden also nicht zu befürchten sein. Vier Redakteure (Bruno Klamm, Stefanie Scheitle, Stefan van Treek, Kirsten Meyer) zählen außer den beiden noch zum "Juanito"-Stamm, ansonsten wird alles von Fechner/Diehl abgewickelt (Fotoredaktion und Anzeigen).

Mail von Harald Peil am 2. Juni:

Wir sind gerade dabei, eine vernünftige Logistik für die Abo-Versendung zu etablieren. Das dauert wahrscheinlich noch eine kurze Zeit. Ziel ist es, den Postversand zeitgleich mit der Erscheinung in Formentera zu realisieren. Das soll heißen: Samstagmorgen in Deutschland im Briefkasten und in Formentera nachmittags am Kiosk. Ab 3. Juni kann man die jeweilige Einzelausgabe im Internet unter www.juanito-formentera.de bestellen. Gegen Ende der Woche wird dann auch die Bestellung des Abos per Internet, hoffentlich, realisiert sein. Auch weitere Infos rund um das Magazin werden mit der Zeit integriert. Aber: Gut Ding will Weile haben.

P.S.: Das Abo wird auf Basis einer Rechtssicherheit für den Verlag wie auch dem Abonnenten entstehen.

Harald Peil, Geschäftsführer Peil ProPublica Werbeagentur Verlag
Düsseldorfer Str. 8
40545 Düsseldorf
www.peil.info


Benis Projekt.
Im Editorial der Hinweis auf einen Artikel über den kürzlich verstorbenen Beni Trutmann. Die "Juanito"-Macher waren wahrscheinlich die Letzten, die ein Interview mit dem Fotografen geführt haben und mit ihm auf seiner Terrasse saßen, vier Tage vor Benis Tod am 27. April. Der umtriebige Schweizer hatte schon wieder ein neues Projekt gestartet, das er "Let's respect Formentera" nannte. Der Dreck überall, der Wohlstandsdreck der Touristen, war ihm ein Dorn im Auge. Freunde von Beni waren in Scherben getreten und vorbei war's mit dem Sommer. Beni hatte einen Kunststoffbehälter entwickelt, der wie eine Eistüte aussieht und mit dem man Dreck aufsammeln kann. Politiker in Ibiza und Formentera waren angetan von seiner Idee, es wurden Mittel bereit gestellt, die Behältnisse produziert, nach Ibiza gebracht und von dort wieder nach Formentera verschifft - und irgendwo da liegen sie nun, niemand weiß wo. In einem Nachruf schreiben Birgit Fechner und Peter Diehl, dass sie einlösen werden, was sie Beni versprochen haben: "Ihn einen Sommer lang bei der Aktion zu unterstützten, die ihm so besonders wichtig war." Ein schöner und trauriger Artikel.

Im Editorial ist außerdem vom fast kompletten Aussterben der Bienen auf der Insel die Rede und von der Mückenplage. Und der Hinweis auf den 30. Mai, auf das für die Insulaner so wichtige große Fest zu Ehren des Schutzheiligen "Sant Ferran" mit mehreren Festakten am Kirchplatz gleich neben der Fonda Pepe. Das ist heute - schade, dass ich nicht dort sein kann.

Dann eine Seite mit wichtigen Telefonnummern (Notruf, Krankenwagen, medizinische Versorgung, Feuerwehr, Polizei, Konsulate, Kartensperrung, Auto- und Bootvermietung, Flughafen, Störungsdienste, Taxi, Apotheken und Fähren) und ein paar leichtgewichtige Happen auf der "Kurioses"-Seite (Euro; Gesetze, die die Welt nicht braucht und die Erklärung des Sprichworts "Das kommt mir spanisch vor"). Die erste Doppelseite ohne Anzeigen, "Die Geschichte Formenteras", teils schöne alte Fotos aus den Siebzigern. Dann die bereits erwähnte Doppelseite über Beni Trutmann, gefolgt von einem Zweiseiter über "La Mola - die Insel auf der Insel", geschrieben von Bruno Klamm, seit 1978 selbständiger Fotograf und seit 1993 für mindestens drei bis vier Monate auf Formentera lebend. Klamm bringt ein paar Legenden ins Spiel (der Blick vom Cap bis nach Afrika und Bob Dylan). Interessant seine Theorie zur "Kimm-Entfernung" ("der von der Augenhöhe abhängige Abstand zum Horizont") - wie weit kann man wirklich sehen? Die einfache Formel: Kimm-Entfernung "e" (in Seemeilen) ist gleich 2,075 Mal die Wurzel aus Augenhöhe (in Metern). Alles klar, so hätte ich das auch berechnet... Auf jeden Fall lesenwert, die Fotos dagegen fand ich nicht so aussagekräftig.

Dann ein schön geschriebener Zweiseiter über Bartolo und dessen Kiosk, verfasst vom Duo Fechner/Diehl: "Bartolo, Manoli und der Bus in Granada - Portrait einer glücklichen Inselfamilie". Witzig, interessant, unterhaltsam, atmosphärisch, das ist es, was ich mir unter einer guten Inselgeschichte vorstelle. Zwei Seiten "Touristen auf Formentera", auch lesenswert. Was treibt sie eigentlich auf die Insel von überall her, warum ausgerechnet diese kleine Insel? Danach die Reihe "Die Strände Formenteras", der Migjorn und die Cala Saona. Beachtenswert der Hinweis am Ende, am Migjorn-Strand auf die mitunter recht gefährlichen Strömungen zu achten. Perfekt wäre es gewesen, auf die blausand.de von Rolf zu verweisen. Es folgen zwei Seiten "Strandleben", Urlauberfotos, die man nicht unbedingt braucht. Wirkt etwas uninspiriert, ein wenig gelber und orangefarbener Text in den Bildern, einige eher unscharfe Aufnahmen aus der Totalen (der deutsche Tourist an sich hat's nicht so mit dem Zoomen). Naja, vielleicht erkennt sich jemand wieder. Weiter geht's mit den Stränden im Norden, umrahmt von gar nicht mal so wenigen Anzeigen. Zwei Seiten Sport ("Schumi & Co. in Barcelona", Story von einem Inselbwohner namens Guido) und "Borussia Dortmund Deutscher Fußballmeister... - Saisonrückblick in zwei Teilen". Letzteres interessiert mich persönlich jetzt, wo die Saison doch schon eine Zeit lang abgeschlossen ist, gar nicht mehr, ein klassischer Seitenfüller. Wenn, dann wäre eine Vorschau auf die WM angebracht gewesen: Wo werden die WM-Spiele auf der Insel gezeigt, wer bietet was, wo feiern die Spanier ihre Mannschaft, wo kann gewettet werden, wie ist die Stimmung diesbezüglich unter den Einheimischen, unter den Touristen, usw. Schade, verpasste Chance, morgen beginnt die WM!

Zwei Seiten "Gesundheit" mit reichlich Informationen für Schwangere von Frau Dr. med. Anja Ossenbühl und Prof. Dr. med. G. Enders & Partner sowie ein Artikel über die Entstehung der Arthrose. Durchaus interessant. Dann wieder eine Fotostrecke, "Nachtleben", Horoskop, eine Seite zum Thema "Hauserwerb in Spanien", eine Kinderseite ("Lukas und seine Seerose"), ein Ausgehtipp (die Bar Giovale in Sant Francesc), zwei Tapas-Rezepte und am Ende zwei Seiten, die in Zukunft für Leserbriefe und Grüße gedacht sind.

Fazit: "Juanito" wählt den nicht ganz einfachen Spagat zwischen "richtigem Journalismus" und Szeneblatt. Einige sehr gut geschriebene Geschichten wechseln sich ab mit teilweise Belanglosem, aber so richtig flach wird's niemals. Man darf gespannt sein, wohin der Weg führt. So lange die Balance zwischen Information und Entertainment so gut wie in der ersten Ausgabe gehalten wird, ist's okay. 4 von 6 Punkten würde ich vergeben.

Repräsentanz "Juanito" in Spanien: Casa Atalaya auf Formentera, Fon und Fax: 0034/97132-7146, Mailadresse inselbote@hotmail.com - eine eigene Website gibt es noch nicht.

Nachtrag: Wie's so läuft im Leben - auch "Der Inselbote" konnte sich leider nur einige Ausgaben lang halten und ist mittlerweile Geschichte.

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