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Niklaus Schmid im Interview mit dem "Diario de Ibiza"

von Uwe (22.09.2000)





In den deutschen Seiten des Diario de Ibiza vom vergangenen Donnerstag (14.9.2000) war ein längeres Interview mit Niklaus Schmid, Autor des Buches "Formentera - Eine Insel auf dem Weg zur Legende", zu lesen. Hier die interessantesten Auszüge aus diesem Gespräch.

1998 kam Ihr Roman "Der Hundeknochen" heraus. Formentera spielt darin eine bedeutende Rolle und Sie streifen Insel-Realitäten wie Verschwägertsein, Bauspekulation, Kulturkonolialismus und ähnliches. Wie tangieren Sie diese Dinge?

Niklaus Schmid.
Niklaus Schmid: Grundsätzlich interessiert mich alles, was mit Formentera zusammenhängt. Es gibt hier viel Gutes, einiges ist für mich sogar einzigartig. Ich denke an das Licht, den besonderen Geruch, die Karibikfarben des Wassers, ich denke an die unterschiedlichen Landschaften auf engstem Raum und an die zum Teil ungewöhnlichen Leute. Einheimische wie Hinzugezogene. Aber es gibt auch weniger schöne Dinge, der etwas nachlässige Umgang mit der Umwelt, um ein Beispiel zu nennen. Da wird für Hochglanzprospekte viel Geld ausgegeben, aber ins Auge sticht mithin als erstes, dass im Sommer an fast jeder Straßenecke um die Müllcontainer herum der Dreck liegt. Statt Thymian und Rosmarin haben Bewohner und Besucher dort den Geruch von Abfall in der Nase. Probleme dieser Art gibt es woanders auch, aber in einer ansonsten wunderbaren Landschaft und in diesem herrlichen Licht fallen solche Übel um so mehr auf.

Warum eigentlich der Titel "Der Hundeknochen"?

Schmid: Naja, Formentera hat, aus der Luft gesehen, die Form eines Knochens; außerdem ist die kleine Insel ein verlockender Köder - man will nicht mehr von ihr lassen.

In dem einzigen Reiseführer, den es vermutlich auf der ganzen Welt über die kleine Pityuse gibt (Anm. d. Webm.: Stimmt zwar nicht, aber nett gesagt.), "Formentera, eine Insel auf dem Weg zur Legende", beschreiben Sie das Inseldasein aus der Sicht des Residenten, erzählen Geschichten über Land und Leute. Wie kamen Sie auf diese Idee?

Schmid: Formentera wird in den Reisebüchern ja sonst immer angehängt, entweder an die größere Schwesterinsel Ibiza oder gar an alle anderen Baleareninseln. Entsprechend klein fällt dann der Raum aus, der für Formentera übrig bleibt. Ich selbst hatte vorher ein Buch über die Balearen geschrieben und fand, dass Formentera es durchaus wert wäre, allein für sich zu stehen. Da die Insel aber nicht einmal 100 Quadratkilometer groß ist, nur rund sechstausend Einwohner hat und keine spektakulären Sehenswürdigkeiten bietet, musste ich vom üblichen Weg abweichen. Nicht von A nach B reisen, sondern die Einteilung in Monate, dazu Anekdoten, Rezepte und genaue Beobachtungen; die Insel ist ja ganz groß in Kleinigkeiten. Man kann also sagen, dass die Idee aus der Not geboren wurde.

Reiseführer sind ja eigentlich für Individualreisende und Ihre ganz besonders. Von Ihnen erschien gerade ein neuer, der HB-Bildatlas über Menorca, Ibiza und Formentera. Gibt es noch genügend Individualtouristen, dass sich die Herausgabe solcher Führer wirklich lohnt?

Schmid Für mich lohnt es sich, weil es eine schöne Arbeit ist, die ja zudem bezahlt wird. Die Verlage sind auch zufrieden, denn mein Formentera-Buch gibt es jetzt in der vierten Auflage, der Kompaktreiseführer Merian live über Ibiza und Formentera erscheint demnächst gar in der sechsten Auflage.

Formentera war lange Zeit das Mekka der Hippies. Ist von ihrer Bewegung noch etwas übrig geblieben oder wird das Thema nur noch kommerziell ausgebeutet?

Schmid: Die Hippiebewegung ging etwa Mitte der siebziger Jahre zu Ende, auf Formentera hat sie sich noch etwas länger gehalten. Geblieben ist davon bei dem einen oder anderen gealterten Blumenkind die Erinnerung an eine schöne Zeit, die Vorliebe für Curry-Gerichte sowie eine besondere Beziehung zu Vollmondnächten. Die Hippiemärkte sind Kommerz und Folklore.

Sehen Sie, der ja auch Ibiza gut kennt, einen Unterschied zwischen Formentera- und Ibizabewohnern? Zwischen Formentera- und Ibizaresidenten?

Schmid: Bei den Formenterensern scheint mir die zurückhaltende Art noch etwas ausgeprägter zu sein als bei den Ibizenkos; die Insel ist klein, nur keinem zu nahe treten, keine persönlichen Fragen stellen. Sehr klug! Die Residenten, so sie denn lange genug bleiben, gleichen sich in diesem Punkt häufig an. Kleine Inseln prägen eben ihre Bewohner.

Das Inseldasein prägt. Formentera in welcher Weise?

Schmid: Ich habe mich selbst schon mal dabei überrascht, dass ich jemandem begegnet bin und durch ihn hindurchgeschaut habe. So nach Art der Einheimischen: Oh je, man trifft sich ja so oft, heute bin ich nicht gut aufgelegt und habe einfach keine Lust, etwas zu sagen, akzeptier das bitte! Dieses Verhalten ist nicht persönlich gemeint. Und ein andermal knüpft man dafür vielleicht an ein Gespräch an, das man Wochen zuvor unterbrochen hat.

Woran arbeiten Sie zur Zeit?

Schmid: An einem neuen Krimi, der zum großen Teil auf Ibiza spielen wird. Hm, es sieht fast so aus, als ob sich Elmar Mogge, der Ex-Polizist und nunmehrige Privatschnüffler aus dem "Hundeknochen", zu einem Spezialisten für die Pitiusen entwickelt.

Herzlichen Dank an die Redaktion des Diario de Ibiza!

 
 

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