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Bereits sieben ertrunkene Badegäste in dieser Saison

von Uwe (27.09.1999)





Aus traurigem Anlass - am vorvergangenen Samstag (18. September '99) ertranken zwei deutsche Urlauberinnen am Migjorn Strand, Höhe zwischen Pirata Bus und Restaurant "Flipper" - möchte ich an dieser Stelle aus der aktuellen Formentera-Zeitung (Nummer 21, 26.9.-2.10.1999) zitieren.

Zunächst die wöchentliche Kolumne von Dr. Luis Martin Soledad, seit über 25 Jahren Insulaner und Arzt, besonders für Feriengäste. Seine Praxis befindet sich in San Fernando.

Das Meer, eine unterschätzte Gefahr

Obwohl ich erst vor kurzem das Thema des Ertrinkens ausführlich besprochen habe, Sie nicht nur aufklärte über Erste-Hilfe-Maßnahmen, sondern auch eindringlich warnte vor den Gefahren, die das Meer, vor allem unter bestimmten Wetterbedingungen in sich birgt, fühle ich mich aus aktuellem Anlass emotional gezwungen, nochmals darauf hinzuweisen, wie gefährlich Baden sein kann.

Vorige Woche Samstag hatte ich persönlich nicht weniger als drei Menschen zu behandeln, für zwei von ihnen kam jede Hilfe zu spät, leider. So etwas berührt mich sehr! Um 15 Uhr nachmittags wurde ich zum Strand von Es Arenals gerufen, weil man ein junges deutsches Mädchen (21) aus dem Wasser geholt hatte. Während ich noch mit den Wiederbelebungsversuchen beschäftigt war, neben mir die Eltern und der Bruder des Opfers in hysterischer Verzweiflung zuguckten, kam jemand mit der Nachricht zu mir, dass 50 Meter weiter in Richtung Strandkiosk "Pirata Bus" eine andere Frau ertrunken war - wieder eine Deutsche (47). Das erste Opfer war nicht mehr zu retten und ich rannte deshalb so schnell ich konnte zu dieser Frau. Inzwischen war auch ein junger Holländer, der sich in die Wellen gestürzt hatte, um die ältere Frau zu retten, beinahe selbst ertrunken - auch ihn hatte man an den Strand gelegt. Als ich merkte, dass die Frau (wie das erste Opfer) nicht mehr auf das Sauerstoffgerät reagierte, habe ich den jungen Mann daran angeschlossen, der zu meiner Freude wieder anfing, selbständig zu atmen. Er erholte sich relativ schnell, ich bestand aber darauf, ihn mit dem herbeigerufenen Hubschrauber in die Klinik von Ibiza zur Nachuntersuchung zu fliegen. Kaum hatte der Hubschrauber abgehoben, kam der nächste Notruf, noch jemand, der im Meer zu ertrinken drohte. Der Hubschrauberpilot flog extra ganz niedrig, konnte aber niemanden entdecken. Als ich ging, hatte man die angeblich vermisste Person noch nicht gefunden. Es muss an diesem Nachmittag noch vier bis fünf Vorfälle gegeben haben, bei denen die Menschen nur gerettet worden sind, weil andere ihr Leben für die Leichtsinnigen riskierten.

Es ist nicht zu glauben, aber während ich noch mit dem Sauerstoffgerät bei den Opfern am Strand saß, der Krankenwagen heranrollte, danach zweimal der Leichenwagen, der Rettungshubschrauber kaum weg war, Panik und Geschrei noch in der Luft hingen, gingen schon wieder Leute in die Wellen und schwammen raus. Trotz gehisster Roter Flagge, die Lebensgefahr signalisiert und absolutes Badeverbot anzeigt!

Wir haben in diesem Sommer schon sieben Ertrunkene gehabt, die meisten von ihnen könnten noch leben, wenn, wenn sie sich an die Vorsichtsregeln gehalten hätten. Wenn ich versuche, die Leute zu warnen, kriege ich oftmals die selbstsichere Antwort: "Aber ich kann gut schwimmen!" Dazu kann ich nur eins sagen: Weiß das Meer das auch?

Es ist unverantwortlich und ein provozierendes Benehmen, wenn jemand bei Roter Flagge und hohen Wellen ins Meer geht, denn andere Leute riskieren dann oftmals ihr Leben bei Rettungsversuchen - und nicht selten wurde dabei das Meer auch für die Helfer zu einer tödlichen Falle.


Nicht nur, weil eine der beiden Ertrunkenen eine Bekannte war, war dieser 18. September ein schwarzer Samstag für uns, die wir am Tag zuvor unser fonda.de-Fest feierten. Heiß diskutiert wurde beispielsweise, warum - trotz der vielen Todesfälle an genau diesem Strandabschnitt, der kaum ca. 500 Meter misst -, die Rote Flagge so ungünstig unter der Piratenflagge positioniert ist, warum keine Warnschilder aufgestellt sind, warum keine Rettungsschwimmer postiert sind. Und gerade die letzten beiden Todesfälle und die Geschehnisse der letzten Wochen (während meiner zehn Tage auf Formentera hörte ich nicht weniger als drei Mal den Rettungshubschrauber kreisen) haben soviel Emotionen hochgekocht, dass in dieser Richtung nun etwas unternommen wird. Hier der Bericht aus der aktuellen Formentera-Zeitung vom letzten Samstag (26.9.99) in gekürzter Form:

Am vergangenen Mittwoch (22.9.99, d. Webm.) trafen sich Formenteras Bürgermeister Isidor Torres und der Präsident des Roten Kreuzes der Pityusen, Josep Colomar, zu einem Gespräch über den Rettungsdienst auf der Insel. Vornehmlich wurde von ihnen erörtert, wie man künftig die Sicherheit der Badegäste erhöhen kann. Josep Colomar und Isidor Torres gaben nach ihrer Unterredung eine Pressekonferenz, bei der von dem Präsidenten des Roten Kreuzes folgende Maßnahmen vorgeschlagen wurden:

  • 1. Die Errichtung einer festen Erste-Hilfe-Station mit einem geeigneten Behandlungsraum in La Sabina, wo ständig ein Arzt anwesend ist (geschätzte Kosten eines 12 qm großen Raumes: 1,3 Mio. Peseten).


  • 2. Aufstellen von deutlich erkennbaren Masten mit einer Rote-Kreuz-Fahne und der Roten Flagge, die bei Gefahr signalisiert: Absolutes Badeverbot!


  • 3. Ständig vor Ort anwesende Rettungssanitäter mit entsprechender Erste-Hilfe-Ausrüstung.
    Das, so waren sich Bürgermeister und Rote-Kreuz-Präsident einig, ist nur unter Mitwirkung der Bevölkerung zu realisieren, denn zusätzlich zu den festen Rote-Kreuz-Sanitätern werden Freiwillige für den ehrenamtlichen Dienst benötigt. Diese müssten aber zuvor einen Kursus in Erster Hilfe (80 Stunden, Theorie und prakt. Übungen) absolvieren.


  • 4. An besonders gefährlichen Strandabschnitten (z. B. Arenals und Levante zwischen Tanga und Sa Roqueta) sollen Einsatzkräfte ständig patroullieren.


  • Für Ibiza und Formentera, fügte Josep Colomar an, stehen dem Roten Kreuz insgesamt neun Rettungsboote zur Verfügung, acht davon stationiert im Hafen von Ibiza-Stadt und eins in San Antonio. "Die reichen aber in der Hochsaison nicht aus", meinte Colomar, "und für Formentera kommt erschwerdend hinzu, dass bei der Überfahrt wertvolle Zeit verstreicht. In diesem Sommer ist das Rote Kreuz bereits mehr als 300 Mal zu Noteinsätzen gerufen worden." Formenteras Bürgermeister Isidor Torres hob hervor, dass ohne Freiwillige, die in ihrer Freizeit helfen, wenig geht. Alle geplanten Vorhaben, angefangen von einem gut organisierten Rettungsdienst, dem Hissen von Warnflaggen, Polizeiwarnungen per Lautsprecherwagen, dem Aufstellen von Warnschildern und Stationieren von Schlauchbooten an bestimmten Strandplätzen bis hin zum Mitwirken der örtlichen Reiseleiter, Hoteliers und Gastronomen, seien nur dann wirklich erfolgsversprechend, wenn jeder einzelne von ihnen und der restlichen Bevölkerung Formenteras sich der Verantwortung nicht entzieht.


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