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Formentera — Der etwas andere Reiseführer

von Uwe (27.01.2005)





Niklaus Schmid (Foto: Cornelia Hammer).


Vorwort zur Neuauflage von Niklaus Schmids Inselklassiker


Was ist neu, was ist alt, was ist anders?

Am Anfang war ein Auftrag. Ich sollte ein Reisebuch schreiben, das bei Lübbe in der Reihe „Reisen & Entdecken“ zusammen mit Paris, London, Rom und Sankt Petersburg erscheinen würde. Im Verlag dachte man an Madrid oder Barcelona. Ich schlug Formentera vor. Wie bitte, über eine Insel, die nur 82 Quadratkilometer groß ist, gerade mal 5000 Einwohner und keine Sehenswürdigkeiten hat? Das geht nicht! Doch, sagte ich und machte mich an die Arbeit.

Ich teilte das Buch in Monate ein und erzählte, wie sich die Insel im Laufe des Jahres verändert, ich berichtete über die Tiere und Pflanzen, über die Einheimischen, die Residenten und die Besucher; ich schrieb über Künstler und Charakterkäuze, streute Rezepte ein und Anekdoten aus der Hippiezeit. Ich beharrte darauf, dass diese kleine Insel voller guter Geschichten und Legenden ist und außerdem ganz groß in Kleinigkeiten.



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Im Verlag schüttelte man über mein Buch, das ich „Formentera — Eine Insel auf dem Weg zur Legende“ nannte, ungläubig den Kopf. Wie sollte sich dieser Band gegenüber jenen behaupten, die Rom, Wien und Prag behandelten? Das war 1994. Nur wenig später wich diese Skepsis einer gewissen Bewunderung, und zwar genau zu dem Zeitpunkt, als die Bände über die anderen Reiseziele sich nur schleppend verkauften, das Buch über Formentera aber zum wiederholten Male nachgedruckt werden musste.

Das Cover des neuen Buches.
Zugegeben, ein bisschen stolz war ich schon, dass mein Buch bei den Insel-Freunden ankam, dass dieses „Kultbuch“, wie es die WAZ nannte, die Bände über Paris und London und andere Weltstädte überlebte. Doch der Preis dafür war, dass mein Formentera-Buch in den folgenden Jahren einsam und allein in den Regalen der Buchhandlungen stand, weil der Verlag die Reihe „Reisen & Entdecken“ inzwischen eingestellt hatte.

Ein Einzeltitel, das sagen Verlagsvertreter, ist dem Tode geweiht. Mein Buch sollte nicht sterben. Was heißt hier pathetisch? Formentera-Freunde waren derselben Meinung, meinten aber auch, dass sich auf der Insel in den letzten zehn Jahren doch so einiges geändert habe und ob man das nicht eventuell… Ich bedankte mich für den Ratschlag, holte vom Lübbe-Verlag die Rechte zurück und suchte einen neuen Verlag, einen, der auf Reiseliteratur spezialisiert sein sollte.

Mit dem Verleger von Reise-Know-How wurde ich schnell einig: Ich würde das Buch, was die letzten zehn Jahre betraf, auf den neuesten Stand bringen und den Serviceteil stark erweitern — die alten Monatstexte jedoch wollte ich erhalten. Das heißt, ich wollte es so wie Formenterenser machen, bei denen das zwanglose Nebeneinander von Alt und Neu ja Tradition hat. Und was ist nun neu? Vieles! So erfährt der Leser beispielsweise, warum ein Bäcker in Es Pujols im Monat August um vier Uhr morgens Pizza backt. Er liest, was aus dem alten Fährschiff Joven Dolores geworden ist, was Stardesigner Philippe Starck auf dem Cap de Barbaria sucht und warum Fuzzi einen Cadillac Fleetwood Sixty Special über die Caminos der Insel kutschiert — dies und vieles, vieles mehr.

Dazu der zuvor erwähnte große Service-Anhang über Essen und Trinken, über Unterkünfte sowie die besten Rad- und Wanderrouten. Mit anderen Worten, es ist ein Insellesebuch geblieben, aber eines mit dem Gebrauchswert eines Reiseführers. Neben einigen historischen Aufnahmen gibt es viele schöne Farbbilder, und einen neuen Namen hat das Buch auch: „Formentera — Der etwas andere Reiseführer“.

Also: Ein neuer Verlag, ein anderer Titel, aktuelle Fotos, eine frische Aufmachung und obendrein zeitgemäße Informationen. Der Leser wird merken: Formentera hat sich verändert, die Insel lebt, sie ist auf dem Weg zur Legende — immer noch.

Niklaus Schmid
Formentera, Es Caló, im Januar 2005


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