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"Formentera war der Anfang meiner Hippie-Karriere"

von Uwe (19.02.2006)





Es ist das Jahr der Jubiläen für den Songwriter Franz Benton, Jahrgang 1952. Seit 20 Jahren ist er auf Tour, im vergangenen Jahr erschien sein zehntes Album. Es ist nicht irgendein Album. Es heißt "Queen of the islands" (ausführlicher Artikel) und ist einer kleinen Insel gewidmet in den Balearen, in der Nähe von Ibiza.
Franz Benton am 16. Februar 2006 in der Neuen Welt.
Den Namen der Insel will er nicht verraten. Auch der Konzertabend am 16. Februar in der Kleinkunstbühne Neue Welt in Ingolstadt ist dieser Insel gewidmet. Der Name Formentera fällt bis zum Ende des zweieinhalbstündigen Programms, in dem er seinen Fans zusammen mit Kiko Pedrozo seine schönsten Balladen aus zwei Jahrzehnten präsentiert, nicht. Schon einmal hat er sich ganze 18 Jahre von Formentera ferngehalten, hatte Angst, "seine Insel" hätte sich zum Nachteil verändert, und vielleicht liegt es ihm deshalb fern, den Flecken Erde auch noch zusätzlich zu promoten. Die Eingeschworenen unter seinen Besuchern wissen eh Bescheid, und die anderen braucht's nicht zu interessieren.

Zeit, den 53-jährigen, wesentlich jünger wirkenden Komponisten von "Formentera '69" und "To the queen of the islands" mit Hauptwohnsitz in München nach seiner persönlichen Formentera-Story zu befragen, im Kurz-Interview nach seinem gelungenen Auftritt.

Wie und wann bist du auf Formentera aufmerksam geworden?
Der Anfang meiner ganzen Hippiekarriere war Formentera. 1967 schwärmten mir Hippies aus England von der Insel vor, es wurde mehr geflüstert als erzählt, denn das durfte eigentlich niemand wissen. Mit 15 war ich damals aber noch zu jung, denn zu dieser Zeit war man erst mit 21 volljährig, und meine Eltern ließen mich nicht weg. 1969 dann, ich war inzwischen 17, musste ich unbedingt hin. Für manche war's erstrebenswert, zu jener Zeit nach San Francisco zu kommen, mich zog's nach Formentera. Schließlich habe ich getrickst, und meinen Eltern gesagt, ich fahre mit einem Freund auf eine holländische Insel. Mein Freund fuhr auch wirklich hin und steckte die unterwegs von mir beschriebenen Postkarten dort in den Briefkasten, während ich runtertrampte nach Barcelona. Auf dem Schiff ging's dann schon los, das war der absolute Hammer. Auf dem Deck saßen Hippies aus der ganzen Welt, und jeder hatte eine Gitarre dabei. Da saßen dann 250 Hippies auf dem Deck und haben gesungen und gekifft und gevögelt wie verrückt, es war der Wahnsinn. Wir kamen dann vollkommen übernächtigt und bekifft auf Ibiza an und wurden als erstes von der Guardia Civil in Empfang genommen und wanderten in den Knast, wo uns alles abgenommen wurde. Wir waren natürlich gewarnt und wussten, dass man nach Ibiza keinen Shit mitnehmen durfte. Sie mussten uns also wieder laufen lassen. Etwa die Hälfte der Leute blieb auf Ibiza, 45 bis 50 Leute stiegen auf die Joven Dolores, und rüber ging's nach Formentera. Das waren damals noch strenge Zeiten, Nacktbaden gab's noch nicht; wenn man sich mal heimlich die Badehose ausgezogen hat, galt man schon als Abenteurer. Die Typen von der Guardia Civil lagen mit dem Fernrohr in den Dünen und haben sich erst mit den hübschen Mädels, die da rumgelaufen sind, amüsiert, und dann haben sie sich die Leute gekrallt und es waren richtig heftige Strafen fällig.


1969 war Franz Benton erstmals auf der Insel, und aus dieser Zeit stammt sein Song "Formentera '69" von seinem Album "Carry on". Er erzählte mir, wo der Song entstand und wie es damals, 1969, noch zuging auf der Insel und vor der Fonda Pepe (MP3-File, 2.09 min, 1.014 KB).

Wo hast du damals übernachtet?
Zunächst mal gab damals nur das Rocca Bella und das Sa Volta. Ich schlug mich in die Dünen links vom heutigen Sa Roqueta. Da gab's wunderschöne, hohe Pinienbäume, die heute noch da sind, und die waren wie ein Dach. Dort konnte man sein Camp aufschlagen, die Hängematte hinhängen, Kochstelle machen, das war so dermaßen geil - heute ist das undenkbar. Ich suchte mir den schönsten Pinienbaum aus, der fast bis zum Boden runterging und nur auf einer Seite offen war, das war wie eine Höhle. Dort verbrachte ich die ersten zwei Wochen, bis ich von einer Höhle oben auf der Mola erfuhr. Ich verbrachte dann noch eineinhalb Wochen mit ungefähr 40 anderen Typen. Die schönste Höhle war unterhalb der Mola, wo man heute zum Maryland geht. Die hatte sich ein Fischer gemacht als Lager. Diese Höhle war zwei, drei Meter überm Meer, und man konnte morgens vom Felsenvorsprung direkt ins Wasser springen. Mit notdürftigem Werkzeug haben wir das ausgehöhlt und Nischen reingebaut, Kerzen reingestellt, das war ein absoluter Traum. In dieser Höhle waren wir so lange stationiert, bis ich eines Tages eine spanische Familie aus Madrid getroffen hab. Ab da wohnte ich in einem kleinen Häuschen an den Salinen. Das war ein Paar mit sieben Kindern, und um sich den Aufenthalt zu finanzieren, brachten sie Lederwaren aus Madrid mit und verkauften sie auf Formentera. Ich hab mit den Kindern die Ledersachen am Strand verkauft und später mit den beiden gemeinsam in der Werkstatt gearbeitet und mich so drei, vier Monate über Wasser gehalten.

Wann hast du Abschied genommen von Formentera?
1974. Ich wollte eigentlich, wie jeder, auf der Insel leben. Formentera war damals aber schon so teuer, dass ich es mir nicht leisten konnte. Ich hatte den Traum aber im Kopf und verwirklichte ihn in einem kleinen andalusischen Bergdorf, im letzten Zipfel, bei Gibraltar. Dort bekam ich für zweieinhalbtausend Mark eine zusammengefallene Ruine. Auf Formentera hätte ich damals für ein zusammengefallenes Salinenhäuschen schon 60.000 Mark bezahlt, das war also völlig unerschwinglich. Ich hab mir also dort ein eigenes Haus mit meinen zwei Händen gebaut und fast fünf Jahre gelebt, mich selbst versorgt, schwer gearbeitet und nur von dem gelebt, was ich selber hergestellt und angebaut hatte.

Du warst dann von 1974 bis 1992 nicht mehr auf Formentera. Hattest du nie Sehnsucht nach der Insel?
Doch, immer! Aber ich wollte mir mein Formentera nicht kaputtmachen, hatte Angst, dass alles zerstört war auf der Insel. Viele Leute finden in der Welt ihren Platz, ganz unterschiedlich. Meiner war ganz klar Formentera. Ich hätte es nicht ausgehalten, meinen Traum zerstört wiederzufinden. 1992 traute ich mich dann wieder, war ganz ängstlich. Schon als ich den Hafen sah, dachte ich, um Gottes Willen, was ist denn hier los? Denn 1974 gab's noch gar keinen Hafen, nur eine kleine Kaimauer, wo die Joven Dolores anlegte. Als ich dann jedoch den Fuß auf die Insel setzte, war sofort alles wieder da, und ich war erleichtert. Ich sah all den Scheiß, und trotzdem war das, was mich auf dieser Insel immer berührt hatte, noch da - und ist es noch heute. Und seitdem fahre ich ab und zu wieder hin.

Welches sind deine Lieblingsplätze auf Formentera?
Noch immer die Salinen und davor die Dünen zum Illetas-Strand und die Gegend um Espalmador.

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