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Ars Astartis - Formentera als Phallussymbol

von Uwe (05.04.2006)





Als ich im letzten Herbst hörte, dass ein Fotograf zusammen mit einem Model (oder seiner Muse?) über den Trucadors streift, fand ich das nicht übermäßig spannend. Hatte ich doch vor einigen Jahren dem Team um Julio Medem beim Dreh von „Lucía und der Sex“ mehrmals über die Schulter schauen können – das war interessant. Jetzt liegt das aus dieser Fotosession entstandene Buch „Ars Astartis“ vor mir, und ich ärgere mich, damals nicht die Augen nach diesem Fotografen aufgehalten zu haben (vom Model ganz zu schweigen).

Foto: Marko Benjamin
Der 1958 geborene Marko Benjamin wirkt seit über 20 Jahren als freier, nichtkommerzieller Foto- und Videokünstler - ist also reiner Amateur - und hat seine künstlerische Weiterbildung u. a. bei Michael Gnade (Bensberg), Cesár Camillo (Havanna) und Dieter Lange (Berlin) erhalten. Benjamin beschäftigt sich mit der Ästhetik des menschlichen Körpers, seiner Aura (Ausstrahlung), seiner Einzigartigkeit, seiner Vergänglichkeit. Er sieht den Moment der Aufnahme gleichsam als „trotzig, glanzvolles Aufbäumen gegen den unentrinnbaren Verfall des göttlichen Seelengefäßes“. „Schwere Kost“, mag nun nicht nur ein ukrainischer Schwergewichtsboxer denken. Aber so ist es nicht. Benjamin sind phantastische Aktaufnahmen, größtenteils auf dem Trucadors, gelungen – meist in Schwarzweiß, in Sepia, leicht koloriert in Gelb, auch Blau, aber niemals farbig-bunt.


Diese Bilder setzt Benjamin in Beziehung zu grandiosen Aufnahmen der neuen La Riada, die Johannes F. Schultz im Jahre 2005, nach der Zerstörung des alten Kunstwerks, nur aus Stein errichtet hat. Jene La Riada, die zu Ehren der Göttin Astarte, der einer Formentera-Legende gewidmet ist, errichtet wurde; La Riada, wo es an sexuellen, vornehmlich phallischen Andeutungen nicht mangelt.
Hier, nur hier, funktioniert das Konzept Benjamins: den menschlichen (weiblichen) göttlichen Körper abzubilden, eingebettet in die ihn umgebende Natur.

Foto: Marko Benjamin
Denn natürlich erkenne ich in den Aufnahmen die Schönheit der Frau, die eins wird mit der großen Göttin Astarte, von der es auf alten sumerischen Tontafeln heißt:

Gerühmt werde die Herrin der Weiber
Sie, die mit schwellender Kraft und Liebreiz angetan
hat Fruchtbarkeit die Fülle,
verführerischer Reiz und Üppigkeit.
Honigsüß ist sie an ihren Lippen,
Leben ist ihr Mund.
Prächtig ist sie,
schön sind ihre Farben!


Marko Benjamin hat mit seinen Bildern das geschafft, was ich mit noch so vielen Worten nicht erreichen kann; er hat die mystischen Schwingungen dieses besonderen Ortes auf Formentera eingefangen: La Riada auf dem Trucadors.

  • Der Bildband „Ars Astartis“ von Marko Benjamin ist nur über den Fotografen selbst zu beziehen: info@mystic-bodies-fotoart.de, Preis 39,95 € + 4,90 € Porto und Versand. Im Format 28 x 21 cm umfasst er 50 Seiten mit größtenteils ganzseitigen Hochglanzbildern, gebunden mit festem Einband.
  • Requiem für La Riada vom Februar 2005.

    © 2006 by Hans-Lothar Klatt für fonda.de

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