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Nach 21 Jahren:
Bob zurück auf Formentera

von Uwe (02.12.2001)





Bob (l.) mit Frau Gudrun und Bruder Harald.

Nach rund zwei Jahrzehnten, genauer gesagt nach ziemlich genau 21 Jahren, ist Bob (BOBS FORMENTERA) Mitte September 2001 heimlich, still und leise auf die Insel zurück gekehrt, ohne jemandem von der fonda.de was zu sagen. Mit etwas Glück hätten wir uns sogar getroffen: An meinem letzten Abend saß ich längere Zeit in der Fonda Pepe, trank noch ein paar Hierbas und beobachtete die Leute. Bob war auch da, wahrscheinlich nur ein paar Meter weiter. Meine Handynummer hatte er aber nicht mehr und deshalb wurde es nichts. Schade.

Ich habe Bob nach seinen Eindrücken gefragt. Er war nur ein paar Tage auf Formentera, dann musste er wegen eines Todesfalls auch schon wieder die Heimreise antreten. Hier nun also quasi "Bobs Formentera 2001". Etwas ernüchternd, aber ohne Bitterkeit - realistisch eben.

In dieser Finca wohnte Bob 1969.
Die Fonda: Seltsames Gefühl, von der Mauer auf feines "Getafel" zu schauen – oder schauen die drinnen raus? Die Fonda eingepfercht in Bebauung und von Gehwegen umzingelt. Irgendwie erinnert sie an Ted Herold auf Butterfahrt. Der Weg hinten raus, nach Las Ranas, war früher ohne Taschenlampe nicht einfach, Häuser oder Wege gab es zwischen einer kürzeren Fonda, da ist ein zusätzliches Bogenfenster dazu gekommen, und Las Ranas nicht. Gut, in Richtung Hostal schauend, Bar Formentera und Schuttgrundstück im linken Augenwinkel, Rosalía vor dem Hoteleingang, das fühlt sich schon wie früher an. Seltsam der Anblick von Julian, letztes Mal noch Teenager, sieht aus wie ehedem die Gäste. Nie ist mir der Gastraum der Fonda kleiner vorgekommen. Der Ausgang durch den „Friseursalon“ zur Mauer ist auch neu. Die "Postschachtel" auf dem Tresen neben der Tapas-Vitrine fehlt. Die alten Stühle habe ich an der Blue Bar, jetzt blau gestrichen, wieder entdeckt. Ob ich hier ähnlich viel Zeit verbringen könnte wie vor dreißig Jahren ist fraglich, ich glaube es nicht.

Der Camino, der an "Bobs Finca" vorbei führt.
Dies gilt für ganz Formentera. Eigentlich hat sich nicht so erschreckend viel geändert. Außer halt dem Wesentlichen. Das Wesentliche ist, dass Formi früher Formentera war, ein Ort, eine Insel, sich selbst genügend. Die wenigen Besucher wurden nicht besonders wichtig genommen, die paar Peseten für den vermieteten Anbau, die paar Eier nahm man halt mit, wichtig war das nicht. Heute ist alles auf den Tourismus abgestellt. Störend ist für mich vor allem der „Sekundärtourismus“. In der Frühe nach San Francisco, dann Blue Bar und Pirata oder Llevante und Illetas, abends Pujols, La Tortuga, La Sabina, Es Cálo oder sonst was oder all das. Danach Fonda, danach... Ich sage das ohne Bitterkeit, Trauer oder erhobenen Zeigefinger. So ist es halt nach mehr als zwanzig Jahren, die Kinder sind groß, die Leute sind alt. Ich auch.


BOBS FORMENTERA

 
 

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