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Der Himmel stand still
Zum zehnten Todestag von Beate Bernhardt

von Uwe (17.09.2009)





Heute vor zehn Jahren - am Nachmittag des 18. September 1999 - starb Beate Bernhardt beim Versuch, um ihr Leben kämpfende Touristen aus der Bucht in der Nähe des Pirata Bus zu retten. Sie wurde 47 Jahre alt.

Beate auf ihrer Lieblingsinsel (1998)
Ich erinnere mich gut, weil ich damals auch auf Formentera war. Es war ein schöner, jedoch recht windiger Tag. Zu stürmisch zum Baden. Ich saß zur Siestastunde auf der Terrasse des Hotel Pitiüses, als ein Rettungswagen nach dem anderen die Hauptstraße entlang raste. Und wunderte mich abends, dass Rolf Lüke, den ich tags zuvor beim ersten fonda.de-Treffen in der Fonda Pepe kennengelernt hatte, eben dort nicht auftauchte. Er war doch sonst jeden Abend da. Nach dem ersten Treffen hatte er mir gestern vor dem Fonda-Mäuerchen auch seine Schwester vorgestellt. Zu einer Unterhaltung kam es nicht mehr, weil sie kurz danach den Heimweg antrat.

Weil vor der Fonda keine bekannten Gesichter unterwegs waren, gingen wir zeitig nach Hause. Als ich am nächsten Morgen mein Handy einschaltete und kurz darauf eine SMS reinkam, durchfuhr mich bei jenen Zeilen, die ich nie vergessen werde, ein kalter Schauer: "Lieber Uwe, es ist etwas Schreckliches passiert. Rolfs Schwester ist gestern ertunken". Bettina hatte mir geschrieben. Sie, auch eine fonda.de-Leserin, hatte ich ebenfalls am Vorabend kennen gelernt. Wir - auch Ulli, der beim Treffen vor zwei Tagen noch dabei und nun schon wieder daheim in Deutschland war - waren wie paralysiert.

Absolut leer war vor allem Rolf. "Der Himmel stand still" hat er es später einmal beschrieben, frei nach Willy DeVilles gleichnamigem Songtitel [famose Liveversion des im August verstorbenen Songwriters]. Er telefonierte stundenlang, fuhr ziellos über die Insel. "Psychisch überleben" nennt er es heute. Wir wollten ihm beistehen und hätten sein Bedürfnis verstanden, allein sein zu wollen. Er aber bestand darauf, uns am Abend nach dem schrecklichen Unfall, bei dem außer Beate noch eine weitere Frau ums Leben kam, wie vereinbart zum Essen einzuladen. So saßen wir zusammen und aßen Gambas in Weißweinsauce mit Reis. Genauso gut hätten wir Knäckebrot essen können, denn Appetit verspürte niemand von uns. Es wurde wenig gesprochen, man war einfach füreinander da und versuchte, Rolf Halt zu geben.

Ulli fotografierte zum 10-Jährigen die "Sonne für Beate"
Am Tag darauf saßen Rolf, Mona aus Bremen, Miriam und ich zusammen bei "Pascual" in Es Caló, als Rolf in einer Mischung aus Wut und Trauer erstmals davon sprach, dass es nun an der Zeit sei, etwas gegen die katastrophal schlechten Sicherheitsvorkehrungen an Formenteras Stränden zu unternehmen. Die Idee zu Blausand war geboren. Rolf startete über die fonda.de einen Aufruf, bat um Briefe, Faxe und Mails an den Bürgermeister der Insel. Die Resonanz war überwältigend: Mehr als tausend Leute beteiligten sich an der Aktion.

Es entstand die Idee einer eigenen Website, und am Abend des 28. März 2001 war es soweit. Blausand, die Website für mehr Sicherheit an Formenteras Stränden, ging online [eigener Artikel]. Seit dieser Zeit informiert Rolf unermüdlich über die Gefahren an den Stränden - nicht nur Formenteras, sondern weltweit. Auf Deutsch, Englisch, Spanisch, Französisch, Italienisch und Türkisch. Es gibt kaum ein Magazin, kaum eine große Tageszeitung, kaum einen Fernsehsender hierzulande, der noch nicht über seine Organisation berichtet hat. Blausand ist mit elf Millionen Besuchern und 28 Millionen Seitenzugriffen das mit Abstand populärste Webportal zum Thema Badesicherheit in Europa.

Nun, zum zehnten Todestag Beates, hat Rolf der Süddeutschen Zeitung in München ein Interview gegeben [Badespaß auf KIosten der Sicherheit]. Er schreibt derzeit an dem Buch "Geschichten über das Ertrinken", in dem Betroffene, Augenzeugen, Angehörige und fast Ertrunkene ihre Geschichte erzählen und über ihre Erfahrungen berichten. Und, das Wichtigste: Er möchte in diesem Buch den Nachweis erbringen, dass die Zahl der Ertrinkungsopfer in Europa mit realisierbaren Maßnahmen um mindestens ein Drittel reduziert werden könnte.

Wer Interesse hat, sich noch an dem Werk zu beteiligen, kann dies bis 30. November dieses Jahres tun. Alle Infos hierzu gibt es auf der Blausand-Website.


  • Rolfs Erinnerungen an den 18. September 1999
  • Zum Tode Beates (von Rolf, 10.10.1999)
  • Meinungen im Forum

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