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Diu No! - Ein denkwürdiger Tag auf den Balearen

von Uwe (01.03.2014)





Der vergangene Samstag war ein denkwürdiger Tag im Kalender der Balearen. Mit dem Abschluss des Einsendedatums der Protestunterschriften hatte die Bürgerinitiative “Ibiza Diu No” (Ibiza sagt Nein) zu einem Protestmarsch aufgerufen. Es sollte eine solidarische Demonstration sein.

Alle Inseln sollten an diesem Tag eine “Blaue Flut”, la marea azul, demonstrieren. Mittags fand in Formentera ein Sitzprotest, wie sie in den 1970er Jahren populär waren, statt. Friedlich, aber deutlich: Auf Transparenten, die in einer speziell dafür gegründeten Werkstatt hergestellt wurden, konnte man lesen, dass die Bevölkerung es satt hat, von der derzeitigen Regierung in Madrid stets bevormundet zu werden.

Nach einem Akt des Schweigens gingen alle Demonstranten zu Fuß zur nahe gelegenen Mühle in San Francisco und formten ein lebendes NO - ein historisches Foto! Eine Firma stellte kostenlos einen Kran zur Verfügung, damit das Foto von oben und damit noch eindrucksvoller geschossen werden konnte. Die Mühle wurde als Metapher gewählt - dass nämlich Alternativenergie möglich ist.

Pünktlich um 16 Uhr waren diejenigen in Ibiza, die auch an der marea azul teilnehmen wollten. Die Boote waren für die Demonstranten aus Formentera gratis. Ein gigantischer Demonstrationszug formte sich. Aus allen Straßen flossen mehr und mehr blau Gekleidete mit sehr kreativen Transparenten in den Hauptzug. Und von der Vara de Rey bis zum Casino, die gesamte Avenida de Santa Eulalia eine einzige Menschenmasse.

Bei Frühlingswetter verwandelte sich das Ganze allmählich in ein authentisches Happening. Bekannte Liedermacher und Gitarristen waren extra für diesen Tag aus Barcelona angereist, um ihre Protestsongs gegen die Ölpest vorzutragen. Rapper, Grafittikünstler, Straßentheater - alles war geboten.

Eine Open-Air-Werkstatt für Kinder gab der neuen Generation die Gelegenheit, ihre Zeichnungen gegen die Bohrungen und für ein sauberes Ambiente zu kreieren. Für ein Meer mit Fischen und eine Insel in ihrer ganzen Schönheit. Ohne Ölpest, ohne tote Fische, mit grünem Meergras statt mit Ölflecken. Der Minister der Balearen, José Ramón Bauzà, kam von Mallorca nach Ibiza, um seinem Willen Ausdruck zu verleihen. Um "alles in seiner Macht Stehende zu tun, um das Vorhaben abzuwenden".

Die Kanaren, wo bereits seit 2004 gegen die Prospektionen gekämpft wird, unterstützten die Aktion mit einer Welle von Protestunterschriften, sodass inssgesamt 100.000 unterschriebene Formulare nach Madrid geschickt werden konnten. Tourismus- und Industrieminister Soria lebt selbst auf den Kanaren. Ihm wird vorgeworfen, seine Heimat verraten zu haben. Die Bewohner kämpfen seit einem Jahrzehnt gegen das Damoklesschwert, das über ihren Inseln schwebt. Ihre Lebensader, ihr Lebensnerv ist derselbe wie auf den Balearen: der Tourismus.

“Jetzt fängt unsere Arbeit erst richtig an", gab Carlos Bravo, Koordinador der Umweltorganisation Aliança Mar Blava in einem Interview mit Formenteras Inselsender Radio Illa zu bedenken. "Wir dürfen auf keinen Fall nachlassen, denn dieser Kampf wird lange dauern. Im Moment rechnen wir mit neuen Nachrichten im Herbst, nach den ersten Aussagen der Administration in Madrid.“

Und wir als Aktivisten und Umweltschützer dürfen unter keinen Umständen in unserer Aufmerksamkeit und Aktivitäten nachlassen. Wir werden alle Hebel in Bewegung setzen, dass Formentera - eine Insel, die selbst von großen Fotografen wie Francesc Fabregas, Preisträger in Journalen wie National Geographik, als die mit dem klarsten Wasser der Welt bezeichnet wird - und nicht von Öl und Petrodampfern verschandelt wird.

Ein Gastartikel von Bárbara Burgass, Formentera. Sie lebt seit zwei Jahrzehnten auf der Baleareninsel und arbeitet beim Inselsender Radio Illa. Die beiden Fotos sind von privat und für die Veröffentlichung auf fonda.de freigegeben.

 
 

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